Dienstag, 05 August 2025 11:32

Hausärztemangel im Saarland

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Nachwuchsmediziner für ländliche Regionen im Saarland Nachwuchsmediziner für ländliche Regionen im Saarland Foto: pixabay

Im Saarland fehlen Hausärzte, vor allem auf dem Land. Mit der Einführung der Landarztquote 2020 versucht das Land, langfristig gegenzusteuern. Bereits 96 Studierende profitieren vom Programm, das eine zehnjährige Verpflichtung zur Tätigkeit in unterversorgten Regionen vorsieht. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahme Wirkung zeigt, aber auch Herausforderungen mit sich bringt.

Inhaltsverzeichnis:

Moritz Müller beginnt Medizinstudium dank Landarztquote

Moritz Müller erhielt seinen Studienplatz im Saarland über die Landarztquote – ohne einen Einser-Abischnitt. Statt direkt nach dem Abitur begann der heute 28-Jährige sein Medizinstudium erst mit 23 Jahren. Mittlerweile ist er im zehnten Semester an der Universität des Saarlandes. Die Studienplatzvergabe ermöglichte ihm den Zugang trotz des hohen Numerus Clausus.

Seine Verpflichtung: Nach Abschluss des Studiums muss er zehn Jahre lang als Hausarzt in einer ländlichen Region arbeiten. Ein Wechsel der Pläne hätte gravierende finanzielle Folgen – bis zu 250.000 Euro Rückzahlung an das Land wären möglich. Derzeit plant er jedoch, diesen Weg konsequent zu gehen. Erste Praxiserfahrungen sammelte Müller bei einem vierwöchigen Praktikum in einer Hausarztpraxis in Gersweiler. Im Gegensatz zum Krankenhausbetrieb gefiel ihm dort besonders der direkte und dauerhafte Kontakt zu den Patientinnen und Patienten.

96 Studierende, 9 Abbrüche

Seit Einführung der Regelung nutzen 96 Männer und Frauen die Landarztquote für ihr Medizinstudium an der Uniklinik in Homburg. Neun von ihnen haben das Studium inzwischen abgebrochen. Johannes Jäger, Leiter des Zentrums Allgemeinmedizin, sieht darin keinen Widerspruch zur Sinnhaftigkeit des Programms. Für ihn erfordert die Tätigkeit als Landarzt eine besondere persönliche Eignung und Hingabe.

Hausärztinnen und Hausärzte begleiten Menschen oft ein Leben lang, kennen ihre Familien und Schicksale. Diese enge Bindung unterscheidet den Beruf deutlich von der Tätigkeit im Krankenhaus. Diese Kontinuität sei erfüllend, aber nicht für jede oder jeden geeignet.

Regelung mit klaren Kriterien

Die Landarztquote wurde 2020 vom saarländischen Landtag beschlossen. Ziel ist es, bis zu 7,8 Prozent der Medizinstudienplätze im Saarland gezielt an Bewerberinnen und Bewerber zu vergeben, die sich im Gegenzug zu einer zehnjährigen Tätigkeit als Hausarzt in strukturschwachen Regionen verpflichten.

Die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten erfolgt nach einem mehrstufigen Verfahren:

  1. Bewertung der Abiturnote
  2. Berücksichtigung abgeschlossener Berufsausbildungen
  3. Ergebnisse des Medizinertests (TMS)
  4. Persönliches Auswahlgespräch mit den besten Bewerberinnen und Bewerbern

Weitere Informationen zur Bewerbung stellt das Landesamt für Soziales bereit.

Medizinische Versorgung auf dem Land sichern

Die Landarztquote verfolgt zwei zentrale Ziele. Einerseits bietet sie eine Chance für junge Menschen ohne Spitzen-Abiturnoten, trotzdem ein Medizinstudium zu beginnen. Andererseits soll so die hausärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten langfristig stabilisiert werden.

Die Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie gegen den drohenden Ärztemangel. Besonders im Saarland, wo Hausärzte händeringend gesucht werden, kommt ihr eine wichtige Rolle zu. Wenn das Modell erfolgreich bleibt, könnte es auch in anderen Bundesländern Schule machen.

Quelle: Tagesschau, www.fox3600.net/de